Ergotherapie

„Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.“(DVE 2007)

Dieser breit gefassten Definition ist zu entnehmen, dass zum Klientel der Ergotherapie Menschen jeden Alters zählen, vom Frühgeborenen mit Wahrnehmungsstörungen bis zum älteren Menschen nach Schlaganfall. Ziel der ergotherapeutischen Behandlung ist dabei stets die Aktivierung der persönlichen Ressourcen und Fähigkeiten, um eine Teilhabe am Alltags- und Erwerbsleben zu ermöglichen.

Nach §35 der Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (HeilM-R 2011) dienen die Maßnahmen der Ergotherapie „der Wiederherstellung, Entwicklung, Verbesserung, Erhaltung oder Kompensation der krankheitsbedingt gestörten motorischen, sensorischen, psychischen und kognitiven Funktionen und Fähigkeiten“ (HeilM-R, 2011, S. 26, (1)).  Absatz (3) zeigt auf, dass diese Arbeit auch die Beratung zur Schul-, Arbeitsplatz-, Wohnraum- und Umweltanpassung einschließt (HeilM-R, 2011, S. 26). Diese Form der Ergotherapie wird über einen Mediziner verschrieben und ist nur in diesem Kontext bei den Krankenkassen abrechnungsfähig.

Vermehrt beginnen Ergotherapeuten auch freiberuflich bzw. nicht in Abhängigkeit zu ärztlichen Verschreibungen zu arbeiten. Bei den vielfältigen Dienstleistungen handelt es sich um Selbstzahler-Dienste wie beispielsweise das Halten von Vorträgen, Taping oder auch Kursangebote zur Entspannung nach dem Präventionsleitfaden (GKV-Spitzenverband 2014). Eine feste Anstellung bei einem regulären Arbeitgeber, z.B. als Gesundheitscoach oder Arbeitsplatz-Berater ist ebenfalls möglich. Leider ist der Beruf der Ergotherapie in den Köpfen vieler Menschen – demnach auch der Arbeitgeber – noch kein fester Begriff und nicht mit einem Leistungsprofil hinterlegt. Die Definition der Ergotherapie der World Federation of Occupational Therapists (WFOT 2012) greift den präventionsorientierten Gedanken der Gesundheitsförderung, sowie einen gemeindenahen Setting-Ansatz bereits auf. Nach Scheepers ist Ergotherapie „ein Beruf, der mit der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden durch Betätigung befasst ist.“ (Scheepers 2007, S.3).

Klassischerweise wird man Ergotherapeut durch die (meist kostenpflichtige) Ausbildung an einer Berufsfachschule. Seit wenigen Jahren besteht die möglichkeit des grundständigen Studiums, z.B. an der HSG in Bochum. Durch die zunehmende Akademisierung der Ergotherapie in Deutschland eröffnen sich der Berufsgruppe weitere Berufsfelder. Hierzu gehören Führungspositionen in Einrichtungen des Gesundheitswesens ebenso wie Dozententätigkeiten. Ergotherapeuten finden sich sowohl in Forschung und Lehre, als auch in der freien Wirtschaft. Die Inhalte und Schwerpunkte ergeben sich aus den Studienschwerpunkten des jeweiligen Ergotherapeuten.