In der Ergo wird nur gemalt und gebastelt…

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Im Post zum Thema „Wie Gedanken auf den Körper wirken“ wurde kurz beschrieben, dass das, was wir denken und wie wir es emotional bewerten einen sehr starken Einfluss auf den gesamten Organismus hat. Viele Krankheiten werden durch Stress negativ beeinflusst und verstärkt.

Was hat das jetzt mit der Ergotherapie zu tun?

Da viele Menschen (noch) nicht wissen, was Ergotherapie überhaupt ist, müssen sie auf die wenigen Wissensfetzen zurückgreifen, die sie damit verbinden können. Häufig kommen dann so Sachen dabei rum wie „Das sind doch die, die immer mit den Kindern basteln“ oder „In der Ergo habe ich einen Korb geflochten“ oder „Meine Mutter hatte das nach ihrem Schlaganfall. Was die gemacht haben…keine Ahnung.“

Fakt ist: gerade in der psychiatrischen Ergotherapie kommen sehr viele Werkstoffe zum Einsatz. Klassisch sind Seidenmalerei, Peddigrohr und Ton. Alle drei habe ich in der Ausbildung auch noch kennengelernt, alle drei finde ich persönlich ganz schrecklich (ohne ihnen ihren Nutzen für bestimmte Menschen absprechen zu wollen). Ergotherapie kann so viel mehr!  Ja, sie hat viel mit Farbe, Schere und Papier zu tun (und damit reduziere ich die Ergotherapie schon wieder stark, sie ist natürlich noch viel mehr, das gehört nur gerade nicht hier rein).

Damit werden Klienten/Patienten/Teilnehmer unterstützt, ihre Aufmerksamkeit für einen gewissen Zeitraum weg von ihren Beschwerden und negativen (Stress-) Gedanken zu lenken.  Sie sollen sich in ihrer Handlung als aktiv und selbstwirksam erleben – fähig, ein Projekt zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Fähigkeiten, die auf alle Lebensabschnitte übertragen werden und hier wichtig sein können.
An manchen Tagen, wenn gefühlt gar nichts geht, ist Mandala-Malen schon ein Erfolg.
Gerade bei Gruppenangeboten, die ein Gefühl von Zusammengehörigkeit oder sogar angenehme Stimmung vermitteln, können Gedanken sortiert und Entspannung gefunden werden. Häufig wird in diesem Kontext auch von Selbstwert und selbstwertsteigernden Maßnahmen gesprochen.

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Was ist Selbstwirksamkeit?

Wissenschaftlich betrachtet ist dies eher schwierig nachzuweisen. Besser beforscht wurde der Bereich der self efficacy oder auch Selbstwirksamkeit. Stavemann (2011) definiert hierzu:

Selbstwirksamkeit (Selbsteffizienz). Erfahrung von Menschen, dass sie in früheren stressbelasteten Situationen alle Kompetenzen besaßen, um Lösungen zu finden und Probleme zu lösen.
Beispiel: Häufig die Erfahrung zu machen, gesetzte Ziele zu erreichen.

Auch Professor Badura forscht in diesem Bereich, baute seine Social Cognitive Theory darauf auf und unterscheidet zwischen vier effektiven Quellen der Selbstwirksamkeit (Bandura, 1995 und 1997):

  • Physiologische Zustände
  • Modellernen durch Beobachten
  • Eigene Erfahrungen und Erfolgserlebnisse
  • Überzeugung sozialer Gruppen

Die Selbstwirksamkeit einer Person kann demnach positiv verstärkt werden, wenn eine Einzelperson im Rahmen eines Teamsports oder einer ergotherapeutischen Gruppenmaßnahme Leistungen erzielt, die von den anderen als solche (verbal) anerkannt werden.

McGonigal listet in ihrem Buch „Gamify your life“ weitere Herausforderungen auf, wie Menschen ihre Selbstwirksamkeit spüren und stärken können. Nachweise zum Zusammenhang zwischen Depression und Selbstwirksamkeit bestehen:
Ein hoher Selbstwirksamkeitswert (gemessen z.B. mit dem SWE) korreliert sehr häufig mit einem niedrigen Depressionswert (gemessen z.B. mit dem BDI).

Ergos als Selbstwirksamkeits-Experten

Ergotherapeuten sind, sofern sie sich dieser Zusammenhänge bewusst sind – Experten für Zielvorgaben und Aufgaben, die sich positiv auf die Selbstwirksamkeit und Selbstwirksamkeitserwartung einer Person auswirken.

Die dafür eingesetzten Werkstoffe bieten ihrem Nutzer direktes Feedback über seinen Kompetenz-Stand und die Umsetzung seiner Planung.

Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, womit gearbeitet wird. Eine eindeutige Zielsetzung, Planung und Auswertung der Maßnahme, sowie die Vermittlung der theoretischen Hintergründe (damit der handelnde Mensch auch versteht, wofür er das jetzt tun soll) sind immens wichtig und bestimmen maßgeblich den Erfolg einer Therapie.

Passende Literatur:

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